Jemenchamäleon

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Jemenchamäleon-Zucht

Reptilienhalter sollten stets bestrebt sein, ihre Tiere zu vermehren, zum einen verringert das die Entnahme von Wildfängen erheblich und zum anderen sind eigene Nachzuchten ein unbeschreibliches Erfolgserlebnis. In Deutschland werden mittlerweile hauptsächlich Nachzuchten angeboten.

Jemenchamäleons können bereits nach 6 Monaten geschlechtsreif werden, jedoch sollte die Verpaarung frühestens nach 12 Monaten stattfinden, ansonsten hat das Weibchen eine sehr geringe Lebenserwartung und wird im Höchstfall nur zwei bis drei Jahre alt.

Paarung

Richtige Partnerwahl

Normalerweise harmonieren Jemenchamäleonpärchen miteinander, nur in Ausnahmefällen muss ein neues Zuchtpaar zusammengestellt werden. Es sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass es sich um blutsfremde Tiere handelt. Inzuchttiere sind anfälliger für Krankheiten und zeigen manchmal ein abnormales Verhalten.

 

Paarungsverhalten und Trächtigkeit

In den meisten Fällen sind Männchen sehr paarungswillig. Ein Weibchen kann jährlich bis zu vier Gelege haben. Bei der Balz präsentiert sich das männliche Jemenchamäleon in seiner schönsten Farbpracht. Dabei flacht es den Körper ab und steht dem Weibchen seitlich gegenüber, um möglichst groß zu wirken, er bläht seine Körpermasse auf und nähert sich mit nickenden und schaukelnden Bewegungen dem weiblichen Tier. Falls das Jemenchamäleonweibchen paarungsunwillig ist, so wechselt es von einer Grünfärbung zu einer Braun- bis Schwarzfärbung und faucht das Männchen an. Wenn es nun seine Annährungsversuche nicht abbricht, kann es vorkommen, dass das Weibchen zubeißt oder einfach nur flieht. Sporadisch wehrt sich das Chamäleonmännchen, indem das Calyptratus Weibchen mit Helmstößen auf Distanz gehalten wird. Bei einer Paarungsbereitschaft nähert sich das Männchen dem Weibchen von hinten und steigt auf dessen Rücken. Nun wird es am Weiterlaufen gehindert und das weibliche Tier hebt leicht den Schwanz und die Kloakeregion an - nun beginnt die Paarung bzw. Kopulation. Die Kopulationsdauer beträgt bis zu 30 Minuten und kann mehrmals am Tag erfolgen. Dieses Paarungsverhalten kann einige Tage anhalten. Eine erneute Paarungsbereitschaft erfolgt 60 bis 120 Tage nach der Eiablage. Das Weibchen ist nur phasenweise paarungswillig, in einem Zeitraum von bis zu 15 Tagen zeigt sie die Bereitschaft zu Fortpflanzung. Sobald das Weibchen tragend ist, sollte es vom Männchen getrennt werden. Damit es das Männchen nicht mehr bedrängen kann, ansonsten würde das trächtige Chamäleon zu viel Stress haben und es könnte im schlimmsten Fall zu einer Legenot kommen.  Die Trächtigkeit ist sehr Kräfte zehrend, deshalb sollte während dieser Phase das weibliche Tier täglich gefüttert werden. Manche Weibchen nehmen in den letzten Tage vor der Eiablage kein Futter mehr an.

 

Eiablage, Brutkasten und Zeitigungsdauer

Nach einer Paarung werden ca. 30 Tage später 20 - 80 Eier abgelegt. Meistens führt das Chamäleonweibchen vorher Probegrabungen durch. Als Eiablageplatz hat sich ein Blumentopf bewährt. In das Gefäß wird eine ca. 20cm hohe Sandkastensandschicht gefüllt. Der Sand darf nur leicht angefeuchtet werden, weil er sonst zu schwer ist. Nach Beendigung der Eiablage buddelt sie den Tunnel wieder zu. Dieser Vorgang nimmt einige Stunden in Anspruch. Danach benötigt das Weibchen unbedingt Flüssigkeit und Futter, damit es schnell zu Kräften kommt. Die ersten vier Wochen nach der Eiablage ist eine tägliche Fütterung besonders wichtig, damit das weibliche Tier wieder an Substanz zulegen kann. Die Eier sollten nun vorsichtig ausgegraben werden. Anschießend werden sie in mit Deckel verschließbaren Heimchendosen gelegt. Als Brutsubstrat verwenden wir leicht angefeuchtetes Vermiculite (erhältlich im Zoofachhandel). Das Substrat ist bestens für diese Zwecke geeignet, da es sehr viel Feuchtigkeit speichert, ohne dabei zu schimmeln. Danach werden die verschlossenen Heimchendosen in einen Brutkasten (Inkubator) überführt.

Die Brutkastentemperatur liegt im Bereich von 26°C bis 28°C. Während der Zeitigung legen die Eier deutlich an Größe zu. Spätestens alle vier Wochen sollten die Heimchendosen geöffnet werden, um so einen Gasaustausch zu gewährleisten und die Substratfeuchte zu überprüfen. Das Vermiculite darf nicht zu trocken sein oder ganz austrocknen, da sonst die Flüssigkeit aus den Eiern "rausgesaugt" wird. Das erfordert ein bisschen Fingerspitzengefühl. Zwischendurch kommt es vor, dass ein Ei einfällt, entweder liegt es daran, dass es abgestorben ist oder dass das Vermiculite zu trocken ist. Wenn nach dem Nachfeuchten ein bis zwei Tage später das Ei nicht wieder deutlich an Volumen zugenommen hat, so ist der Embryo tot. Abgestorbene Eier müssen entfernt werden, ansonsten fangen sie an zu schimmeln und übertragen den Schimmel auf die anderen Eier. Die Zeitigungsdauer beträgt zwischen 150 und 210 Tagen.

Schlupf und Aufzucht, Terrariumgröße

Kurz bevor die Jemenchamäleonjungtiere schlüpfen, fangen die Eier an zu schwitzen und fallen danach ein.

Schwitzendes Ei

Manchmal kommt es zu einem Massenschlüpfen. Es ist aber auch möglich, dass die Jungtiere über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen schlüpfen. Chamäleons, die nicht selbständig aus dem Ei herauskommen, sollten nicht aus dem Ei geholt werden. Ich weiß, dass viele zu dieser Thematik eine andere Meinung haben. Aber so ist nun mal das Naturgesetz, nur die Starken überleben und sorgen für überlebensfähige Nachkommen mit "gesunden" Genen. In den ersten Tagen zehren die Jungtiere von ihrem Dottersack.  Erst nach dem dritten bis vierten Tag sollte das erste Mal mit kleinen Mikroheimchen (Acheta Domesticus) oder großen Fruchtfliegen (Drosophila hydei) gefüttert werden. Junge Jemenchamäleons müssen bis zum sechsten bis siebten Lebensmonat täglich gefüttert werden.

Die Futtertiere sollten immer mit einem Mineralstoff- Vitaminpräparat bestäubt werden, ansonsten kommt es zu Mangelerscheinungen. Eine sehr häufig daraus resultierende Krankheit ist die Rachitis. Sie entsteht durch Vitamin D3 - und Calciummangel. Ein empfehlenswertes Bestäubungspräparat ist Korvimin. Es ist beim Tierarzt erhältlich. Zusätzlich kann noch Calciumpulver beigemischt werden. Sobald die Chamäleons größere Futtertiere bewältigen können, müssen sie abwechselungsreich gefüttert werden. Damit die Jemenchamäleonjungtiere genügend Flüssigkeit erhalten, sollte das Terrarium 2mal täglich mit lauwarmen Wasser übergebraust werden. Sie lecken und schiessen die Tropfen von der Scheibe und den Blättern. Außerdem können sie noch zusätzlich mit einer Pipette getränkt werden.

Weitere Informationen zum Thema Fütterung und Tränken auf der Seite Futtertiere - Futterinsekten - Reptilienfutter. Die Jungtiere benötigen schon kurz nach ihrer Geburt ausreichend Platz. Die "Kletterfreiheit" fördert die Stärkung des passiven und aktiven Bewegungsapparates. Früher wurde die Meinung vertreten, dass kleine Aufzuchtbehälter optimal sind, da die Tiere so schneller ihre Beute fangen können. Diese Annahme ist überholt, denn nach ein paar Tagen sind junge Jemenchamäleons bereits sehr gute Jäger und können somit auch in einem mittelgroßen Terrarien (30 x 30 x 50 cm) problemlos die Futtertiere erbeuten. Mit zunehmender Größe sollten die Jungtiere nach ca. vier bis fünf Monaten in ein größeres Becken umgesetzt wird. Die jungen Chamäleons können aber auch gleich in ein Terrarium gesetzt werden, das für adulte Tiere gedacht ist. Jedoch müssen sie dann einen Fütterplatz gewöhnt werden, da sonst die Futterdichte zu gering ist. Eine Futterstelle kann z.B. eingerichtet werden, indem auf halber Beckenhöhe eine Heimchendose zum Befestigen zwischen Zweige geklemmt wird. Bei der Temperatur ist zu beachten, dass sie nicht 27 °C überschreiten sollte, weil die Jungtiere sonst an einem Hitzetot sterben könnten - im Becken müssen unbedingt noch kühlere Temperaturzonen (Zimmertemperatur ca. 20°C - 22°C) vorhanden sein.

Das Terrarium wird wie bei den Elterntieren eingerichtet, nur das im Becken statt dicke Äste dünne sein müssen. Auf Bodengrund sollte unbedingt verzichtet werden, da beim Schiessen der Beutetiere eventuell Erde mitverschluckt wird. Stattdessen kann der Terrariumboden mit Papiertüchern ausgelegt werden. Anfänglich ist es möglich, alle Jungtiere zusammen zu halten. Das funktioniert aber nur in den ersten Lebenswochen, danach müssen sie in kleine vierer Gruppen (ein Männchen und drei Weibchen) getrennt werden. Ansonsten würde das für die Tiere Dauerstress bedeuten. Die Folgen wären ein abnormales Verhalten, Zwergwüchsigkeit und im schlimmsten Fall der Tod. Nachzuchten können frühestens nach 8 bis 12 Wochen abgegeben werden, aber lieber später als zu früh! Dieses ist abhängig von der Größe und "Futterfestigkeit" des jeweiligen Tieres, deswegen ist der genannte Zeitraum nur eine Richtangabe.

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